Puerco Pibil (nach Robert Rodriguez)
Robert Rodriguez ist nicht nur ein guter Regisseur, er ist auch Filmmusik-Komponist (Sin City, Spy Kids, SharkBoy And LavaGirl, …). Vielleicht war meine Passion für Filmmusiken (Scores) der Grund dafür, warum mich der Kommentar von zeta sofort elektrisierte, als ich ihn las. Sie machte mich auf dieses Video von der DVD “Irgendwann in Mexico” aufmerksam. Dort zeigt Rodriguez, wie er in seiner Küche ein Rezept mit Annatto-Samen zubereitet. Angeblich ein echtes mexikanisches Kultrezept: Puerco Pibil.
Ganz besonders der Ende des Videos macht die Sache interessant: Dort hält das stundenlang gegarte Fleisch selbst einer beiläufigen Penetration mit einer Gabel nicht mehr Stand, so zart ist es.
Ich musste einfach wissen: Handelt es sich um eine Hollywood-Rezept-Inszenierung? Oder ist Puerco Pibil tatsächlich ein Geschmackserlebnis ganz besonderer Art? Das ganze Abenteuer begann mit der Zutatenliste…

Zutaten für 6 Portionen Puerco Pibil:
- 2 kg Hinterkeule vom Schwein
- 5 EL Annatto-Samen
- 2 TL Kreuzkümmel
- 1 EL schwarze Pfefferkörner
- 8 Pimentbeeren
- 2 TL Nelken
- 2 Peperoni (scharf) oder Chili (Original: Habanero-Schoten)
- 2 EL Salz
- 8 Knoblauchzehen
- Frische Orangen für 120 ml Orangensaft
- 120 ml weißen Balsamicoessig
- 5 Zitronen
- 50 ml Tequila
- 1 Ei
Zubereitung:
Gleich vorweg: Die Bananenblätter haben wir weggelassen, weil sie hierzulande schwierig zu bekommen sind. Rodrigues sagt in seinem Video selbst, dass er nicht sicher sind, ob die eine Zweck verfolgen - oder ob sie einfach nur “cool” sind.
Zunächst werden die Gewürze fein gemörsert. Zum mörsern geeignet: Kreuzkümmel, Piment, Nelken und Pfeffer. Wer regelmäßig das Fitnessstudio besucht kann auch den Annattosamen mörsern. Alle anderen sollten eine ausgediente Kaffeemühle nehmen. Wichtig: Sie sollte keine Kaffeereste mehr enthalten. Damit lassen sich die Annattosamen zu feinem Pulver verarbeiten - denn die Kerle sind wirklich widerspenstig.
Die Peperoni (oder Chilis) waschen und klein hacken. Jeder entscheidet hier selbst, wie scharf das Gericht später werden soll: Mit Kerngehäuse bedeutet meist, dass es schärfer zur Sache geht. Grundsätzlich gilt: Puerco Pibil soll scharf sein, man soll nach dem Genuss jedoch noch aufrecht gehen können.
Die Orangen und die Zitronen gründlich auspressen. Den Knoblauch in feine Stücke hacken.
Den Saft von Orangen und Zitronen zusammen mit dem Essig, dem Tequila, dem Knoblauch, den Pepperoni, dem Salz und den gemörserten Gewürzen (inkl. Annatto) in einen Mixer geben und gründlich durchmixen. Premiere für den Mixeraufsatz unserer neuen Kenwood-Küchenmaschine :-)
Das Fleisch zerschneiden. Die Würfel sollen etwa 5×5 cm groß sein. Die Würfel in eine Schüssel geben und die Marinade darüber gießen. Das ganze dicht abdecken und 2 Stunden ziehen lassen.
Eine Bratreine wird mit Alufolie ausgelegt. Überlappende Blätter werden durch eine Faltung fest miteinander verbunden, damit später alles dicht ist. Die Fleischwürfel werden auf die Folie gelegt, danach die Sauce über das Fleisch gegeben. Dann wird die Folie über dem Fleisch fest verschlossen. Wer unsicher ist, ob alles dicht ist, legt lieber eine Extraschicht um das pikante Gut im Inneren. Denn das ganze soll lange garen und nicht aufgrund von “Lecks” austrocknen.
Um ganz sicher zu verhindern, dass die Konstruktion undicht wird, werden die Ränder mit verquirltem Ei eingerieben. Das stockt im Ofen und verschließt die Alufolie damit weitestgehend dampfdicht.
Die Bratreine wird in einem mit Umluft auf 160° vorgeheizten Ofen geschoben. Dort bleibt sie volle 4 Stunden.
Nach dieser Zeit wird die Folie oben aufgeschnitten und die dampfenden Fleischstücke entnommen. Dazu wird etwas Reis und vielleicht ein paar Bohnen gereicht.
Das Puerco Pibil war bei uns tatsächlich so weich und zart wie im Video. Der Geschmack überraschte: Die Säure (Zitrone) und ungewohnte Fruchtigkeit (Annatto) überwältigen den Gaumen. Ich jedenfalls habe so ein intensiv schmeckendes eingelegtes Fleisch bisher noch nicht gegessen.
Vorsicht mit der Sauce aus der Alu-Hülle: Vor der Entnahme sollte man das Fleisch noch einmal kurz darin wenden, man sollte sie jedoch nur sehr vorsichtig löffelweise auf den Teller geben, denn sie ist äußerst konzentriert und intensiv.
Buen provecho!
Erstellt von Stefan am 14.01.2008
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Am 14. Januar 2008 um 08:29 Uhr
Wow, das klingt ja wirklich nach einem ganz außerordentlichen Geschmackserlebnis!!! Klingt toll und die Fotos sind super!
Der Aufwand (zum Zutaten-Beschaffen und Kochen) schreckt ein bisschen ab. Wenn Ihr vielleicht noch etwas übrig hättet?! ;-)
Am 14. Januar 2008 um 09:03 Uhr
@Barbara: Das war ‘ne Riesenportion, wir haben einiges davon eingefroren. Also - wenn Du mal in der Gegend bist, ruf rechtzeitig an, damit wir was auftauen können… ;-)
Am 14. Januar 2008 um 19:03 Uhr
Wenn Ihr wüsstet, wie oft ich die A81 zwischen WÜ und HN fahre… - morgen z.B. ;-)
Aber danke, das klingt so richtig gut!
Am 15. Januar 2008 um 16:39 Uhr
Zartes Fleisch mit scharfer konditionsgestählter Gewürzbearbeitung wäre wirklich einen Versuch wert.
Am 16. Januar 2008 um 19:16 Uhr
das klingt sensationell. zudem haben wir bei Eurem beitrag was ganz neues gelernt, nämlich dass es annatto-samen gibt. eine kleine recherche im netz hat uns dann auch bei der einordnung weitergeholfen(http://www.uni-graz.at/~katzer/germ/Bixa_ore.html)
jetzt sollten wir nur noch wissen, wo wir das gewürz beziehen können. bis in die tiefe tiroler provinz hat es annatto nämlich noch nicht geschafft… ;-)
Am 16. Januar 2008 um 19:52 Uhr
@reibeisen: Wir haben die Samen hier bestellt.
Am 11. Februar 2008 um 14:27 Uhr
Freut mich ja sehr dass es gut geschmeckt hat. Und vielen Dank für den bebilderten Beitrag, es ist doch immer wieder spannend zu sehen wie unterschiedlich andere - trotz selben Rezepts - das gleiche Gericht kochen. Beim nächsten Mal würde ich aber wirklich noch das Bananenblatt dazu nehmen, die gehören im asiatischen Supermarkt eigentlich auch hierzulande zur Standardausstattung. Und hier möchte ich Rodriguez widersprechen: Es macht einen Unterschied. Bananenblätter geben noch mal einen ganz feinen, leicht fruchtigen Geruch ab der IMHO bestens passt. Anders als es Rodriguez vormacht erhitze ich das Blatt erst mal Stück für Stück auf der heißen Herdplatte (besser natürlich: Gasflamme). Dabei verfärbt sich das Blatt tiefgrün, schwitzt etwas und wird so geschmeidiger. So vorbehandelt muss man das Blatt dann nicht mehr so im “Cowboystil” zusammenknautschen wie er es vormacht.
Am 15. Mai 2008 um 17:18 Uhr
ja hi,
also, ich wollt da mal was fragen, ich komm grad vom friseur, der hat mir von eurer seite erzählt, und das war soooo lecker und jetzt wollt ich das ma nachkochen. aber häääääääää? was zum henker sind annatto-samen? und womit kann ich die ersetzen? wenn jemand einen vorschlag hat, wäre ich ihm überaus dankbar… küsschen, toni.
Am 15. Mai 2008 um 20:12 Uhr
@Toni: Glückwunsch zu dem Friseur!
Hier findest Du mehr Infos zu den Annattos.
Am 6. Juni 2008 um 14:28 Uhr
Hi Stefan!
Habe den Film mittlerweile über drei Jahre und hatte bis heute Schwierigkeiten an Annato, Habanero´s und Bananenblätter ranzukommen. Letzteres ist ja erstmal nicht so wichtig. Das liegt aber auch daran, daß ich hier am A**** der Welt wohne.
Bald ist es endlich soweit, denn Freunde sind zur Zeit in Spanien und bringen mir nächste Woche die Annatosamen und die Habaneros mit.
Eine Frage hab ich: Welcher Tequilla ist besser für´s Gericht? Weißer oder Brauner(Gold)? Ich persönlich tendiere zum Braunen.